Pingrodach, Schellingstraße 25
PINGRODACH aktiviert die Schellingstraße 25 als neuen Kunstraum, im Herzpunkt der Maxvorstadt, nur wenige Schritte von seinem Projektraum KUNZT66.
Seit dem Einzug in die Schellingstraße Anfang Juli transformiert Johannes Rodach den historischen Ort – ein ehemaliges Antiquariat mit 135 Jahren Geschichte – zu einem lebendigen Kunstraum. Die Spuren der Vergangenheit bleiben sichtbar, werden aber bewusst neu lesbar gemacht: Jede Ausstellung arbeitet mit dem Material, das der Raum hinterlassen hat, und schreibt ein weiteres Kapitel darüber.
Kunst ist die Geschichte, die uns Menschen verbindet. Und in der Schellingstraße 25 wird diese Geschichte gerade neu erzählt.
PINGRODACH versteht Kunst nicht als Dekoration, sondern als seismographisches Organ einer Gesellschaft im Wandel. Ästhetische Qualität ist Voraussetzung, aber niemals Endpunkt. Gute Kunst muss irritieren, überraschen, zum Staunen bringen – weil sie uns mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die jenseits des Bekannten liegt.
Bisher gab es drei Ausstellungen in den neuen Räumlichkeiten.
Show 1
„Der Kaiser träumt nackt“ – Neuerzählung statt Nostalgie„Der Kaiser träumt nackt“ setzte den Auftakt: ein neues Narrativ vor alten Bücherregalen, eine bewusste Kollision von Gegenwart und Geschichte. Jonathan Meeses Forderung „Alle Macht der Kunst“ wurde hier zur methodischen Haltung: Kunst behauptet sich durch Innovation und Provokation.
Für die Eröffnungsausstellung wurde vor die mit alten Büchern gefüllten Regale ein neues Narrativ gehängt. Die Bücher blieben nicht als Dekoration, sondern als archäologische Tiefenschicht bestehen.
Show 2
„sektor 24“intensivierte dieses Prinzip. Herbert Nauderer nutzte die Regale als pseudoarchivarischen Resonanzraum für ein System aus Fiktion, Kontrolle und Identität – ein Spiegel der Gegenwart, die zwischen Rationalität und Wahn zerfasert.
Nauderers Werk demonstrierte eindrucksvoll, was passiert, wenn sich Systeme verselbstständigen – ein Kommentar zur Gegenwart, die bedrohlich zwischen Rationalität und Wahn zerrieben wird.
Show 3
Mit „Durcharbeiten“ schließlich wurde der Titel zum Programm. Während eines tiefgreifenden Umbaus nutzte Rodach ausschließlich vorhandene Materialien: ein ästhetisches Recycling, das den Raum selbst in den Prozess einbindet. Die Positionen – aus der Schule von Karin Kneffel – zeigen Malerei als Erkenntnisform: präzise, widerständig, geduldig.
PINGRODACH- ein Profil
PINGRODACH ist eine Galerie, die Kunst als Resonanzraum der Menschheitsfamilie begreift.
Der Traum von der kreativen Maschine hat sich erfüllt – aber die auratische Kraft der Kunst bleibt unersetzlich.
Rodach setzt auf Künstler:innen, die unser Verständnis von Gegenwart erweitern, nicht beruhigen. Seine Räume bieten einen Rahmen, in dem Kunst ihre ursprüngliche Funktion zurückgewinnt: zu spüren, wo eine Gesellschaft steht – und wohin sie kippen könnte.
PINGRODACH ist damit mehr als ein Ausstellungsort.
Es ist ein Ort der Wahrnehmungsschärfung, der Diskurserweiterung, der ästhetischen Präzision.
Ein Raum, der nicht dekoriert, sondern deutet.
Ein Raum, der die Zukunft ernst nimmt.
